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Die letzte Welt

Roman.
Frankfurt am Main: S. Fischer, 2008.
ISBN: 978-3-10-06239-5
http://www.ransmayr.eu/wp-content/uploads/978-3-86610-431-0_Ransmayr_Letzte-Welt.mp3

Hörprobe:
Christoph Ransmayr – Die letzte Welt

 

Frühere Ausgaben:

Die letzte Welt. Roman. Mit einem Ovidischen Repertoire.

Mit Zeichnungen von Amita Albus.
Nördlingen: Greno, 1988. ISBN: 3-891-90244-1

 

Die letzte Welt. Roman. Mit einem Ovidischen Repertoire.
Frankfurt am Main: Eichborn, 1991. ISBN: 3-8218-4408-6

 

Taschenbuch:

Die letzte Welt. Roman. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 1992. ISBN: 3-596-11214-1

 

Hörbuch:

Die letzte Welt. Roman. Berlin: Argon, 2008. ISBN: 978-3-86610-431-0
8 CDs (9 Stunden, 40 Minuten)

 

Die letzte Welt. Roman. Berlin, Argon (Daisy Edition), 2009. ISBN: 978-3-86610-800-4

1 MP3-CD in Amray Box mit Brailleetikett (9 Stunden, 43 Minuten)


Inhalt:
Als Christoph Ransmayrs Roman ›Die letzte Welt‹ 1988 erschien, wurde er von der Kritik gefeiert wie kaum ein anderer – wegen seiner poetischen, rhythmischen Sprache, wegen seiner stilistischen Eleganz, auch wegen seiner bildmächtigen Traum- und Albtraumwelten. Er wurde bisher in 29 Sprachen übersetzt.

In diesem Roman ist die Verbannung des römischen Dichters Ovid durch Kaiser Augustus im Jahre 8 n. Chr. der historisch fixierte Ausgangspunkt einer phantasievollen Fiktion. Der Römer Cotta, sein – durch Ovids ›Briefe aus der Verbannung‹ – ebenfalls historisch belegter Freund, macht sich in Tomi am Schwarzen Meer auf die Suche: nach dem Verbannten, denn in Rom geht das Gerücht von seinem Tod, als auch nach einer Abschrift der ›Metamorphosen‹, dem legendären Hauptwerk Ovids. Cotta trifft in der »eisernen grauen Stadt« Tomi jedoch nur auf Spuren seines Freundes, Ovid selbst begegnet er nicht. Er findet dessen verfallenes Haus im Gebirge, den greisen Diener Pythagoras und, je komplizierter und aussichtsloser sich die Suche gestaltet, immer rätselhaftere Zeichen der ›Metamorphosen‹ – in Bildern, Figuren, wunderbaren Begebenheiten. Bis sich zuletzt Cotta selbst in der geheimnisvoll unwirklichen Welt der Verwandlungen zu verlieren scheint: die Auflösung dieser »letzten Welt« ist wieder zu Literatur geworden.


Romananfang:
Ein Orkan, das war ein Vogelschwarm hoch oben in der Nacht; ein weißer Schwarm, der rauschend näher kam und plötzlich nur noch die Krone einer ungeheuren Welle war, die auf das Schiff zusprang. Ein Orkan, das war das Schreien und das Weinen im Dunkel unter Deck und der saure Gestank des Erbrochenen. Das war ein Hund, der in den Sturzseen toll wurde und einem Matrosen die Sehnen zerriß. Über der Wunde schloß sich die Gischt. Ein Orkan, das war die Reise nach Tomi.

Obwohl er auch tagsüber und an so vielen, immer entlegeneren Orten des Schiffes aus seinem Elend in die Bewußtlosigkeit oder wenigstens in einen Traum zu flüchten versuchte, fand Cotta auf dem Ägäischen und dann auch auf dem Schwarzen Meer keinen Schlaf. Wann immer seine Erschöpfung ihn hoffen ließ, drückte er sich Wachs in die Ohren, band sich einen blauen Wollschal vor die Augen, sank zurück und zählte seine Atemzüge. Aber die Dünung hob ihn, hob das Schiff, hob die ganze Welt hoch über den salzigen Schaum der Route hinaus, hielt alles einen Herzschlag lang in der Schwebe und ließ dann die Welt, das Schiff und den Erschöpften wieder zurückfallen in ein Wellental, in die Wachheit und die Angst. Niemand schlief.

Siebzehn Tage mußte Cotta an Bord der Trivia überstehen. Als er den Schoner an einem Aprilmorgen endlich verließ und sich auf der von Brechern blank gespülten Mole den Mauern von Tomi zuwandte, moosbewachsenen Mauern am Fuß der Steilküste, schwankte er so sehr, daß zwei Seeleute ihn lachend stützten und dann vor der Hafenmeisterei auf einem Haufen zerschlissenen Tauwerks zurückließen. Dort lag Cotta in einem Geruch nach Fisch und Teer und versuchte das Meer zu besänftigen, das in seinem Inneren immer noch tobte. Über die Mole kollerten verschimmelte Orangen aus der Ladung der Trivia – Erinnerungen an die Gärten Italiens. Es war kalt; ein Morgen ohne Sonne. Träge rollte das Schwarze Meer gegen das Kap von Tomi, brach sich an den Riffen oder schlug hallend gegen Felswände, die jäh aus dem Wasser ragten. In manchen Buchten warfen die Brecher von Schutt und Vogelkot bedeckte Eisschollen an den Strand. Cotta lag und starrte und rührte keine Hand, als ein dürres Maultier an seinem Mantel zu fressen begann. Als die See in seinem Inneren flacher wurde, Woge für Woge, schlief er ein. Nun war er angekommen.


Übersetzungen:

Brasil. Portugiesisch: O último mundo: Romance com um repertório Ovidiano. Übers. v. Reinaldo Guarany. Rio de Janeiro: Bertrand Brasil, 1993.

Bulgarisch: Poslednijat svjat. Übers. v. Anna Dimova. Sofia 1992.

Dänisch: Den sidste verden: Roman; med et ovidsk repertoire. Übers. v. Karsten Sand Iversen. Viby: Centrum, 1990.

Englisch: The last world: with an Ovidian repertory. Übers. v. John Woods. London: Chatto and Windus, 1990; New York: Grove Weidenfeld, 1990.

Finnisch: Matka lopun maailmaan. Übers. v. Oili Suominen. Helsinki: WSOY, 1989.

Französisch: Le dernier des mondes. Übers. v. Jean-Pierre Lefebvre. Paris: Flammarion/P.O.L, 1989.

Georgisch [Auszug]: Ukanasklneli samkaro (nackveti). Tbilisi: Sprache und Kultur, 2002.

Griechisch: Eschatos kosmos. Übers. v. Tula Sietē. Athēna: Ekdoseis Odysseas, 1990.

Hebräisch: hā- ʿÔlām hā-ʾaḥarôn. Übers. v. Nîlî Mîrsqî. Tel Aviv: Hakibbutz Hameuchad [Ramat Gan: Hôṣāʾat haq-Qîbbûṣ ham-Meʾûḥād], 1991.

Isländisch: Hinsti heimur. Übers. v. Kristján Árnason. Reykjavík: Forlagid, 1989.

Italienisch: Il mondo estremo. Übers. v. Claudio Groff. Milano: Mondadori, 1989; Milano: Feltrinelli, 2009.

Japanisch: Rasuto waarudo. Übers. v. Takahashi Teruaki. Tokyo: Chuuoo Kooronsha, 1996.

Koreanisch: Ch’oehu- ŭi-segye. Übers. v. Chang Hi-kwon. Sŏul: Yŏllin Ch’aektŭl, 1999. [Seoul: The Open Books, 2009]

Kroatisch: Posljednji svijet. Übers. v. Nedeljka Paravić. Zagreb: Mladost, 1990.

Lettisch: Pēdējā pasaule: ar ovidija repertuāru. Übers. v. Mara Poļakova. Rīga: Jumava, 2005.

Litauisch: Paskutinis Pasaulis: Romanas; su Ovidijaus kūrybos motyvais. Übers. v. Laima Bareišienė u. Valentina Čeponienė. Kaunas: Vada, 1993.

Mazedonisch: Posledniot svet: roman; so repertoarot na Ovidij. Übers. v. Katerina Josifoska. Skopje: Ili-ili, 2009.

Niederländisch: De laatste wereld. Illustr. v. Anita Albus. Übers. v. Ronald Jonkers. Amsterdam: Bakker, 1989; Amsterdam: Ooievaar, 1996.

Norwegisch: Den siste verden: Roman. Met et Ovid-repertoar. Übers. v. Sverre Dahl. Oslo: Gyldendal, 1990.

Persisch: Ǧahān-i āḫir. Übers. v. Maḥmūd Ḥaddādī. Tihrān : Našr-i Markaz, 1378 h.š. [1999].

Polnisch: Ostatni świat. Übers. v. Jacek St. Buras. Vorwort: Andrzej Szczypiorski. Warszawa: Państwowy Instytut Wydawniczy, 1998.

Portugiesisch: O último mundo: romance com um repertório ovidiano. Übers. v. Paulo Osório de Castro. Lisboa: Difel, D. L., 1989.

Rumänisch: Ultima lume. Übers. v. Mircea Ivănescu. Bucarești: Univers, 1996; Bucureşti : RAO Internat. Publ., 2008.

Russisch: Poslednij mir: Roman; s Ovidievym repertuarom. Übers. v. N. Fëdorova. Moskva: Raduga, 1993.

Schwedisch: Den sista världen: Roman med ett ovidianskt register. Übers. v. Ulrika Wallenström. Stockholm: Forum, 1989.

Serbisch: Poslednji svet: Roman; s Ovidijevim repertoarom. Übers. v. Zlatko Krasni. Beograd: Geopoetika, 2003.

Slovenisch: Poslednji svet: z Ovidovim repertoarjem. Übers. v. Štefan Vevar. Ljubljana: Mladinska Knjiga, 1990.

Spanisch: El último mundo. Übers. v. Pilar Giralt Gorina. Barcelona: Seix Barral, 1989.

Tschechisch: Poslední svět. Übers. v. Alena Ságlová. Praha: ASA 2000, 1996.

Türkisch: Son dünya. Übers. v. Çağlar Tanyeri. Ankara: Dost Kitabevi, 2003.

Ukrainisch: Ostannij svit. Übers. v. Oleska Lohvynenko. Kyjiv: Osnovy, 1994.

Ungarisch: Az utolsó világ. Übers. v. Farkas Tünde. Bud