Karl Wagner: Literarisches Schreiben, jedenfalls eines vom Rang Ransmayrs, ist nie einfach aus dem Leben des Autors abzuleiten; es verdankt sich vielmehr einer schwierigen Chemie zwischen dem Erfahrenen und dem Gelesenen – und es erfordert einen Leser, der liest und nicht nur gelesen hat. Mit anderen Worten: der kristalline Schauplatz des Romans ist keine einfache Umschrift einer realen Kindheitsgeographie; er ist das Resultat eines literarischen Kalküls, in dem weitreichende Spuren der Lektüre zusammengeführt werden. Die „Steinzeit“, in die Moor zurücksinkt, steht damit in Analogie zu anderen Landschaften Ransmayrs, die in Grenzzonen menschlicher Zivilisation liegen.

Aus: Karl Wagner, Der Hundekönig. Zu einer Figur bei Christoph Ransmayr. In: Manfred Mittermayer u. Renate Langer (Hrsg.), Die Rampe. Band 03/09 Porträt Christoph Ransmayr, S. 95-100, hier: S. 98